Kurzes Update

Moin! Hier war es ne Weile ganz still. Mäuserich scheint von Tag zu Tag mit weniger Schlaf auszukommen zum Leidwesen des Blogs, der meist in den Nachtstunden entstand. Und eine Working-Mama bin ich nun auch, was nun zu noch mehr Viel-zu-viel-zu-tun-bei-viel-zu-wenig-Zeit-Interessenskonflikten führt als vorher schon. Die Pause hatte jedoch zur Folge, dass mir immer mehr Geschichten eingefallen sind, die nur noch darauf warten, aufgeschrieben zu werden und in die Welt hinausgehen zu dürfen. Also, es wird sich wieder etwas tun. Bis dahin ist hier noch ein älterer Text aus dem Winter: „Von den Veilchen“, den ich damals für euch vorbereitet hatte. Es geht um Schmerz und Freude sowie Fortschritt und Selbstständigkeit. Und ein wenig auch über die Liebe. Denn wann geht es mal nicht um die Liebe, nicht wahr?

In diesem Sinne, bis ganz bald wieder!

Eure AnnMama

Werbeanzeigen

Von den Veilchen

Heute früh stand ich vorm Spiegel und entdeckte einen kleinen gräulichen Fleck am rechten Oberarm. So auf Höhe des Bizeps, nur außen. Sah aus wie drei kleine zusammenhängende Kreise und ich dachte kurz, ob es nicht noch Pflaumen- oder Heidelbeermus vom gestrigen Brei sein kann, aber es ging nicht ab. Wäre auch etwas zu hartnäckig. Also gut, ein blauer Fleck.

Woher das denn? Neue Möbel? Nee. Irgendwelche sportlichen Verrücktheiten? Nee. Schlafwandeln? Hoffe nicht. Ah! Der Mäuserich! Da fiel es mir ein: gestern übte mein Baby auf meinem Oberarm seine Feinmotorik, er probierte den Pinzettengriff auf meiner Haut aus. Es zwickte nur etwas, daher ließ ich ihn gewähren.

Da ist er also. Welch Ehre, solch eine Erinnerung am Körper tragen zu dürfen. Wie in einem Poesiealbum hat er sich verewigen wollen, wusste nur nicht, dass es nur wenige Tage anhält (er muss halt noch viel lernen). So süß und wunderbar sieht es aus, ich möchte am liebsten im T-Shirt vor die Tür (es sind grad Minusgrade…) und es allen stolz zeigen. Seht her, meine Trophäe, mein Baby kann blaue Flecken produzieren. Nicht, dass ich nicht schon bei der Geburt genügend von ihm bekommen habe und in der Zukunft noch etliche weitere hinzukommen werden – aber dieses hier ist der erste Bewusste. Yeah! Mein kräftiges kleines Baby, Mama ist stolz. So trage ich dieses wundervolle Veilchen, eigentlich nur ein Paar verirrte rote Blutkörperchen mit Bewunderung mit mir herum. Wenn man es auf dem Kopf stehend betrachtet, ist es ein kleines Herz. Es erinnert an deinen Weg, an den Fortschritt und lässt an der Zartheit erahnen, was alles im Leben noch kommen kann.

….

Am Nachmittag hat Mäuserich wieder das Krabbeln geübt, es klappt noch nicht ganz, aber er ist auf einem guten Weg. Und plötzlich: Aaaah, das Gleichgewicht! Die Ärmchen müssen weiter vor, der Kopf ist zu…RUMMMMS…schwer. Ich konnte ihn nicht schnell genug abfangen. Autsch, denkt man in dem Moment, das gibt einen kleinen blauen Fleck. Eigentlich nur ein Paar verirrte rote Blutkörperchen, aber welch Erinnerung an die hart erkämpfte und mühsam erlernte Mobilität. Und welch Trophäe, seht her, ein winzig kleiner Bluterguss, denn Mäuserich kann fast krabbeln….. Ohje, es tut doch etwas weh. Ich erzähle schon nichts mehr, komm kuscheln!

Zwei Katzen und ein Baby, Vol. 1 – Wie alles begann

Man fährt zu zweit los und kehrt zu dritt zurück. Schwankt zwischen Tränen und dem Gefühl, sich selbst ein Fremder zu sein sowie Glück und Freude, Erwartung und Unsicherheit, Liebe und Geborgenheit, Fürsorge und Hingabe. Stellt die Babyschale in die Mitte des Zimmers und sagt: „… Und jetzt?“

Da fällt einem als neue Mama ein, da draußen gab es noch eine Welt, die gar nicht stehen geblieben ist während der letzten Tage. Und der Alltag haut einem wieder ins Gesicht wie ne kalte Dusche am Morgen. Boah, da sind wir wieder. Zu dritt. Zählt man beide Katzen dazu, sind wir nun zu fünft. Also insgesamt sechs Beine und acht Pfoten. Klingt gut zusammen. Obwohl man dieses grad noch relativ sehen muss. Katze 2 hat nämlich beim Anblick des neuen Erdenbewohners sofort erschrocken die Flucht ergriffen und versteckt sich seitdem. Katze 1 schaute zunächst interessiert aus sicherem Abstand, bis sie ihre Nase hob und sichtbar in die Richtung des Babys schnupperte. Sie zog ein Gesicht, schnupperte wieder, schaute uns an, schaute die Babyschale an, in der seelenruhig unser Mäuserich schlief, und lief in den Flur. Dort war der nächste erreichbare Teppich. Erprobte Katzenbesitzer wissen, was jetzt kommen wird: Sie spuckte demonstrativ auf den Teppich. Ging zwei Schritte, drehte sich erneut um, als wenn sie sichergehen wollte, dass das wirklich wahr ist und spuckte erneut. Sie ging wieder ein Paar Schritte, drehte sich erneut um, schnupperte erneut in die Luft und spuckte. Schaute uns wieder an und verschwand am anderen Ende der Wohnung. Na, das kann ja heiter werden mit uns fünf…

Zwei Katzen und ein Baby Vol. 3 – Wir sind ein Team

wir sind ein team katzenbild volume 3
Als Katzenmama und werdende Menschenmama macht man sich natürlich Sorgen: Wie wird es sein, wenn das Baby auf die Welt kommt? Werden die Katzen rebellieren, weil sie nicht gefragt wurden ob sie mit einem neuen Mitbewohner einverstanden sind? Als Katze 2 zu bereits eingesessener Katze 1 hinzukam gab es viel Gezische, Gefauche und sogar Knurren (Wusstet ihr, dass Katzen knurren können? Und wie!) sowie etliche Pfotenhiebe zwischen den beiden. Aktuell kommen beide gut miteinander aus und sind fast immer im Doppelkatzenpack anzutreffen. Und das Baby?
Ich habe irgendwo gelesen, dass man die Katzen an den neuen Menschen in der Familie gewöhnen soll. Zum Beispiel soll man nach diesem riechende Stoffstücke mit nach Hause bringen, damit sie schon mal beschnuppert werden können (haben wir brav gemacht, es hat sie wenig interessiert). Oder Babyschreie abspielen, damit die Katzen sich an die Unruhe gewöhnen. Sorry Leute, aber welche Schwangere macht freiwillig vor ihrer Geburt fremdes Babyweinen laut zuhause an? Oder soll man das anmachen und aus der Tür gehen, damit nur die Katzen diese Tortur ertragen müssen? Das wäre eine Folge für: wie foltere ich meine Haustiere. Oder je nach Wandbeschaffenheit der Wohnung: auch die Nachbarn. Nachher stehen sie noch mit einem Geschenk vor der Tür für das Neugeborene. Was erzählt man denen dann? Das ist ein Mixtape mit dem besten Babygeweine der letzten Jahre? Wir testen schon mal unsere Schmerzgrenze? Das ist ein Quiz, bei dem man erkennen soll, was dem Baby fehlt? Das Ganze kommt sowieso schneller, häufiger und lauter als einem lieb ist.
Als es soweit war, schien der Lärm für die Katzen gar nicht nervig zu sein. Meist lagen sie völlig gleichgültig und gelangweilt in der Nähe und haben ihr Katzending gemacht (ihr wisst schon, schlafen, sich nach dem Schlaf putzen, etwas essen, sich nach dem Essen putzen, hinlegen, vergessene Zehenzwischenräume nachputzen, schlafen, gelangweilt herumschauen, schlafen, putzen, Frauchen und Herrchen in sämtliche Zimmer folgen, nachts wie verrückt durch die Wohnung jagen usw.). Nur wenn Mäuserich ganz nah bei denen gequengelt hatte, schauten sie genervt auf und gingen sich einen anderen Ruheplatz suchen.
Und kennt ihr so ein Babyweinen, bei dem man spürt, etwas ist absolut nicht in Ordnung? Man hört in der Regel an der Frequenz der Schreie, ob Mäuserich Schmerzen hat. In so einem Moment lassen wir als Eltern alles stehen und eilen zum Baby. Und wisst ihr was? Dann kommt der Liebesbeweis der Katzen an unsere Familie. Beide Katzen kommen sofort zu uns angelaufen und miauen aufgeregt. Mit großen Augen und besorgten Blicken stehen sie da und versuchen zu sagen: Dem Baby geht es nicht gut! Helft ihm! Sie bleiben solange bei uns, bis Mäuserich sich wieder beruhigt. Sie sitzen meist brav zu meinen Füßen und schauen treu herauf, während unser kleiner Schatz gekuschelt und beruhigt wird. Und manchmal, wenn er sich mal stößt oder hinfällt, sich dadurch ganz fürchterlich erschreckt und lauthals weint, sieht er unsere beiden Ringelschwänze angelaufen kommen. Er ist stetig von ihnen fasziniert und beruhigt sich bei deren Anblick viel schneller. Und seitdem ich dies das erste Mal erlebt habe, weiß ich: Wir sind ein Team.

 

Zwei Katzen und ein Baby – Vol. 2 – Das Geschenk

Meine Freundin hat bald Geburtstag. Hier liegt das Geschenk, es muss noch in eine visuell ansprechende Form im Sinne einer Geschenkverpackung gebracht werden. Das wird sich doch machen lassen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete, also Geschenkpapier, Band, Kleberolle, Schere und eine Decke zum Drauflegen des Babys wird geholt. Kiste mit dem Geschenkzeug wird aufgemacht. Katze 1 ist drin und sucht schon mal das Geschenkband (um es durchzukauen und anschließend wieder vollgesabbert auszuspucken). Nein! Katze 1 ist also raus, Geschenkband gerettet, Kiste geht wieder zu. Baby guckt amüsiert und hat aus unerklärlichen Gründen schon die Luftpolsterfolie in der Hand. Luftpolsterfolie bei Babys? Lebensgefährlich! Nein, das darfst du nicht. Aber es knistert so schön und ist auch noch so ein seltenes grünes Exemplar denkt es sich wahrscheinlich. Raus kommt leider nur: Geschrei. Ich also: Ok, also nur kurz und ich halte es solange fest. Mit einer Hand hole ich also die Papierrolle raus. Kiste schnell wieder zu wegen herumliegendem Geschenkband und der Katzensabber von Katze 1. Katze 2, die gerade versucht dem ankommenden Staubsaugerroboter auszuweichen, erschreckt sich beim Anblick des langen Geschenkstabs und schaut empört. Katze 1 versucht derweil glücklicherweise erfolglos, die Kiste mit dem Geschenkzeug aufzubrechen. So. Ich lege mit den Händen das Papier um das Geschenk während ich mit dem Fuß die Luftpolsterfolie vorm Baby festhalte, die mir einen kurzen Moment der Stille beschert. Puh. Schnell festgeklebt, aber schwups hat die Katze 1 ein Stück Geschenkband ergattert in der Sekunde der offenen Kiste. Egal, soll sie es doch fressen, ist nicht so lang. Ich nehme ein zweites Stück und binde es um das Geschenk. Knoten. Da sich bewegendes Geschenkband vor einem sich nicht bewegenden Geschenkband favorisiert wird, wird ihr Band losgelassen und das bereits umgebundene angekaut. Kschhht! Weg mit dir! Ist ihr egal. Sie kaut wie hypnotisiert am Ende des Bandes und scheint im Katzen-Kauhimmel zu sein. Katze 2 steht daneben und guckt immer noch empört.

Der überhaupt nicht intelligente Staubsaugerroboter fährt sich fest und macht voll Krach. Ich komme nicht an, weil ich an der Luftpolsterfolie am Baby hänge. Ok, nur noch kurz aushalten, wir haben es gleich geschafft. Eine Schleife will noch gemacht werden. Am liebsten möchte ich das nasse durchgekaute Band abschneiden, aber Katze 1 steckt mit all ihren Schnurrhaaren mitten im Geschehen und bewegt sie wild umher.

Also ziehe ich die Katzensabber durch meine beiden Hände, sodass sich Speichelfäden an mir ziehen, binde eine nasse Schleife, schneide dann das völlig zerkaute und durchlöcherte Ende ab, trockne den Rest ab und überlege kurz, dass die Beschenkte zum Glück keine Katzenallergie hat. Die empörte Katze wird kurz mit nassen Händen gekrault und läuft nun wieder friedlich herum. Das Baby ist durch den jetzt vorbeitänzelnden Ringelschwanz abgelenkt und gibt freiwillig die Luftpolsterfolie her, schnell befreie ich den Roboter und friedliche Ruhe kehrt ein. Katze 1 putzt sich genüsslich nachdem sie mal wieder alles bekommen hat, was sie wollte.

Ich halte das Geschenk gen Himmel und seufze laut. Alle Beteiligten mit Ausnahme des Roboters schauen interessiert und unschuldig. Der hat sich nämlich in einem anderen Zimmer festgefahren.

Musik unter der Geburt – Eine Playlist für ein Leben

Bei den Vorbereitungen auf die Geburt findet man im Internet sämtliche Listen, Einkaufstipps und Vorbereitungsempfehlungen. Auch ich las mich durch die Seiten und fand irgendwo einen Rat, den ich vom Herzen an euch alle hier weitergeben möchte: Nehmt Musik mit in den Kreißsaal. Wenn ich das Freundinnen erzähle, werde ich meist komisch angeschaut. Ich möchte es euch erklären.
Das klingt simpel, hat jedoch eine unglaubliche Wirkung. Solltet ihr vor der Geburt Kreißsäle besichtigen, fällt euch wahrscheinlich auf, dass in fast jedem eine Musikanlage steht. Mal ist diese sehr altbacken mit einem Radio oder CD-Spieler, mal gibt es Dockingstations für gängige Handys und ab und zu gibt es sogar zusätzliche Lautsprecher für den satten Sound im ganzen Raum. Wow.
Hier gilt es nun, die Augen und Ohren aufzuhalten und herauszufinden, wie ihr eure Musik dort hineinbekommt. Gibt es nichts vor Ort, ist ein Handy, vielleicht mit einem kleinen mobilen Lautsprecher, eine gute Alternative. Und weiter?
Eine Hebamme betonte, man solle unbedingt entspannende Musik mitnehmen. Hmmm, schwierig, wenn man sonst nach dem Motto lebt: je mehr beats per minute, desto besser. Ich versuchte mir also vorzustellen, was ich bräuchte, um zu entspannen ohne jedoch gleichzeitig traurig oder träge zu werden – denn auf einen Geburtsstillstand hatte ich null Bock.
Die Lösung für mich war: Tempo runter, Beats behalten. Ein Paar Singer-Songwriter mit einigen unbekannten Songs, die als unpenetrante Hintergrundmusik auch mal eben ausgeblendet werden konnten. Zum Beispiel.
Und wenn man dann einen einzigen Moment erwischt, in dem man selbst nicht weiß wohin mit sich, den Gedanken, den Schmerzen und dem ganzen Körper und auf die nackten Wände starrend sich am liebsten auflösen möchte – genau in diesem Moment merkt: hey, da ist noch was. Und sich wenn auch für nur eine Millisekunde in dem Lied verliert, kurz die Melodie summt, die Augen schließt, zu dem Klang bewegt – nur für diesen einen Moment ganz woanders und doch so sehr bei sich ist. In dem die Welt im Gleichgewicht ist und genau richtig, so wie es soll. Als wenn die Zeit nur in eurem Raum langsam weitergeht und nirgends sonst. Genau aus so einem Moment, egal wie kurz er auch war, kann man stark, groß werden und über sich und gefühlt auch über alles andere irdische wachsen – für alles, was noch kommt.
Für mich war die Musik in dem Moment perfekt. Ich wünsche euch allen genau so eine Erfahrung. Mit Musik oder einer liebevollen Massage oder auch nur in einem wunderschönen Augenblick, den ihr zu zweit mit eurem Partner genießt.