Von den Veilchen

Heute früh stand ich vorm Spiegel und entdeckte einen kleinen gräulichen Fleck am rechten Oberarm. So auf Höhe des Bizeps, nur außen. Sah aus wie drei kleine zusammenhängende Kreise und ich dachte kurz, ob es nicht noch Pflaumen- oder Heidelbeermus vom gestrigen Brei sein kann, aber es ging nicht ab. Wäre auch etwas zu hartnäckig. Also gut, ein blauer Fleck.

Woher das denn? Neue Möbel? Nee. Irgendwelche sportlichen Verrücktheiten? Nee. Schlafwandeln? Hoffe nicht. Ah! Der Mäuserich! Da fiel es mir ein: gestern übte mein Baby auf meinem Oberarm seine Feinmotorik, er probierte den Pinzettengriff auf meiner Haut aus. Es zwickte nur etwas, daher ließ ich ihn gewähren.

Da ist er also. Welch Ehre, solch eine Erinnerung am Körper tragen zu dürfen. Wie in einem Poesiealbum hat er sich verewigen wollen, wusste nur nicht, dass es nur wenige Tage anhält (er muss halt noch viel lernen). So süß und wunderbar sieht es aus, ich möchte am liebsten im T-Shirt vor die Tür (es sind grad Minusgrade…) und es allen stolz zeigen. Seht her, meine Trophäe, mein Baby kann blaue Flecken produzieren. Nicht, dass ich nicht schon bei der Geburt genügend von ihm bekommen habe und in der Zukunft noch etliche weitere hinzukommen werden – aber dieses hier ist der erste Bewusste. Yeah! Mein kräftiges kleines Baby, Mama ist stolz. So trage ich dieses wundervolle Veilchen, eigentlich nur ein Paar verirrte rote Blutkörperchen mit Bewunderung mit mir herum. Wenn man es auf dem Kopf stehend betrachtet, ist es ein kleines Herz. Es erinnert an deinen Weg, an den Fortschritt und lässt an der Zartheit erahnen, was alles im Leben noch kommen kann.

….

Am Nachmittag hat Mäuserich wieder das Krabbeln geübt, es klappt noch nicht ganz, aber er ist auf einem guten Weg. Und plötzlich: Aaaah, das Gleichgewicht! Die Ärmchen müssen weiter vor, der Kopf ist zu…RUMMMMS…schwer. Ich konnte ihn nicht schnell genug abfangen. Autsch, denkt man in dem Moment, das gibt einen kleinen blauen Fleck. Eigentlich nur ein Paar verirrte rote Blutkörperchen, aber welch Erinnerung an die hart erkämpfte und mühsam erlernte Mobilität. Und welch Trophäe, seht her, ein winzig kleiner Bluterguss, denn Mäuserich kann fast krabbeln….. Ohje, es tut doch etwas weh. Ich erzähle schon nichts mehr, komm kuscheln!

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