Zwei Katzen und ein Baby, Vol. 1 – Wie alles begann

Man fährt zu zweit los und kehrt zu dritt zurück. Schwankt zwischen Tränen und dem Gefühl, sich selbst ein Fremder zu sein sowie Glück und Freude, Erwartung und Unsicherheit, Liebe und Geborgenheit, Fürsorge und Hingabe. Stellt die Babyschale in die Mitte des Zimmers und sagt: „… Und jetzt?“

Da fällt einem als neue Mama ein, da draußen gab es noch eine Welt, die gar nicht stehen geblieben ist während der letzten Tage. Und der Alltag haut einem wieder ins Gesicht wie ne kalte Dusche am Morgen. Boah, da sind wir wieder. Zu dritt. Zählt man beide Katzen dazu, sind wir nun zu fünft. Also insgesamt sechs Beine und acht Pfoten. Klingt gut zusammen. Obwohl man dieses grad noch relativ sehen muss. Katze 2 hat nämlich beim Anblick des neuen Erdenbewohners sofort erschrocken die Flucht ergriffen und versteckt sich seitdem. Katze 1 schaute zunächst interessiert aus sicherem Abstand, bis sie ihre Nase hob und sichtbar in die Richtung des Babys schnupperte. Sie zog ein Gesicht, schnupperte wieder, schaute uns an, schaute die Babyschale an, in der seelenruhig unser Mäuserich schlief, und lief in den Flur. Dort war der nächste erreichbare Teppich. Erprobte Katzenbesitzer wissen, was jetzt kommen wird: Sie spuckte demonstrativ auf den Teppich. Ging zwei Schritte, drehte sich erneut um, als wenn sie sichergehen wollte, dass das wirklich wahr ist und spuckte erneut. Sie ging wieder ein Paar Schritte, drehte sich erneut um, schnupperte erneut in die Luft und spuckte. Schaute uns wieder an und verschwand am anderen Ende der Wohnung. Na, das kann ja heiter werden mit uns fünf…

Zwei Katzen und ein Baby – Vol. 2 – Das Geschenk

Meine Freundin hat bald Geburtstag. Hier liegt das Geschenk, es muss noch in eine visuell ansprechende Form im Sinne einer Geschenkverpackung gebracht werden. Das wird sich doch machen lassen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete, also Geschenkpapier, Band, Kleberolle, Schere und eine Decke zum Drauflegen des Babys wird geholt. Kiste mit dem Geschenkzeug wird aufgemacht. Katze 1 ist drin und sucht schon mal das Geschenkband (um es durchzukauen und anschließend wieder vollgesabbert auszuspucken). Nein! Katze 1 ist also raus, Geschenkband gerettet, Kiste geht wieder zu. Baby guckt amüsiert und hat aus unerklärlichen Gründen schon die Luftpolsterfolie in der Hand. Luftpolsterfolie bei Babys? Lebensgefährlich! Nein, das darfst du nicht. Aber es knistert so schön und ist auch noch so ein seltenes grünes Exemplar denkt es sich wahrscheinlich. Raus kommt leider nur: Geschrei. Ich also: Ok, also nur kurz und ich halte es solange fest. Mit einer Hand hole ich also die Papierrolle raus. Kiste schnell wieder zu wegen herumliegendem Geschenkband und der Katzensabber von Katze 1. Katze 2, die gerade versucht dem ankommenden Staubsaugerroboter auszuweichen, erschreckt sich beim Anblick des langen Geschenkstabs und schaut empört. Katze 1 versucht derweil glücklicherweise erfolglos, die Kiste mit dem Geschenkzeug aufzubrechen. So. Ich lege mit den Händen das Papier um das Geschenk während ich mit dem Fuß die Luftpolsterfolie vorm Baby festhalte, die mir einen kurzen Moment der Stille beschert. Puh. Schnell festgeklebt, aber schwups hat die Katze 1 ein Stück Geschenkband ergattert in der Sekunde der offenen Kiste. Egal, soll sie es doch fressen, ist nicht so lang. Ich nehme ein zweites Stück und binde es um das Geschenk. Knoten. Da sich bewegendes Geschenkband vor einem sich nicht bewegenden Geschenkband favorisiert wird, wird ihr Band losgelassen und das bereits umgebundene angekaut. Kschhht! Weg mit dir! Ist ihr egal. Sie kaut wie hypnotisiert am Ende des Bandes und scheint im Katzen-Kauhimmel zu sein. Katze 2 steht daneben und guckt immer noch empört.

Der überhaupt nicht intelligente Staubsaugerroboter fährt sich fest und macht voll Krach. Ich komme nicht an, weil ich an der Luftpolsterfolie am Baby hänge. Ok, nur noch kurz aushalten, wir haben es gleich geschafft. Eine Schleife will noch gemacht werden. Am liebsten möchte ich das nasse durchgekaute Band abschneiden, aber Katze 1 steckt mit all ihren Schnurrhaaren mitten im Geschehen und bewegt sie wild umher.

Also ziehe ich die Katzensabber durch meine beiden Hände, sodass sich Speichelfäden an mir ziehen, binde eine nasse Schleife, schneide dann das völlig zerkaute und durchlöcherte Ende ab, trockne den Rest ab und überlege kurz, dass die Beschenkte zum Glück keine Katzenallergie hat. Die empörte Katze wird kurz mit nassen Händen gekrault und läuft nun wieder friedlich herum. Das Baby ist durch den jetzt vorbeitänzelnden Ringelschwanz abgelenkt und gibt freiwillig die Luftpolsterfolie her, schnell befreie ich den Roboter und friedliche Ruhe kehrt ein. Katze 1 putzt sich genüsslich nachdem sie mal wieder alles bekommen hat, was sie wollte.

Ich halte das Geschenk gen Himmel und seufze laut. Alle Beteiligten mit Ausnahme des Roboters schauen interessiert und unschuldig. Der hat sich nämlich in einem anderen Zimmer festgefahren.